Die neusten Erkenntnisse aus der Schlafforschung: Späterer Schulbeginn und die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

By: SleepScore Labs  |  Dezember 10th, 2021

Chronischer Schlafmangel ist eine ernst zu nehmende Bedrohung für die geistige und körperliche Entwicklung, das schulische Potenzial und die Sicherheit von Kindern weltweit. Die Erhöhung der Zahl der Kinder, die ausreichend Schlaf bekommen, wurde vor kurzem als ein Kernziel von Healthy People 2030 aufgenommen. Die Verschiebung des Schulbeginns (auf frühestens 8.30 Uhr) wurde als eine wesentliche abwandelbare öffentliche Maßnahme identifiziert, die das Lernen, die Entwicklung sowie die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern verbessern kann Diese Änderung der Politik wird auch durch die biologische Tendenz von Teenagern unterstützt, Nachteulen zu sein. Indem wir von den Schülern verlangen, früh schlafen zu gehen und früh aufzustehen, versetzen wir sie in einen ständigen „sozialen Jetlag“ – die innere Uhr der Teenager stimmt nicht mit ihrer sozialen Uhr überein. Jugendliche schlafen oft spät ein (1 Uhr morgens) und wachen früh auf (6 Uhr morgens), was ihre Gesamtschlafzeit verkürzt und ihren Schlafmangel noch verschlimmert. Da Jugendliche mindestens 8-9 Stunden Schlaf pro Nacht benötigen, hat dieser soziale Jetlag gravierende Folgen für Körper und Geist. Da weniger als 20 % der Schulen um 8.30 Uhr oder später beginnen, wurde in einer kürzlich durchgeführten Studie untersucht, ob es möglich und wirksam ist, den Schulbeginn zu verschieben, um den Schlaf von Jugendlichen und Kindern zu verbessern. In einer anderen Studie wurde untersucht, ob kurzer und unregelmäßiger Schlaf die Schulreife von Vorschulkindern beeinträchtigt. Studie 1: Um die Auswirkungen eines veränderten Schulbeginns auf den Schlaf von Grund-, Mittel- und High School-Schülern zu untersuchen, befragten Dr. Lisa Meltzer und Kollegen rund 28.000 Schüler und ihre Eltern. Die Mittelschulen im Schulbezirk Cherry Creek in Colorado begannen 40 bis 60 Minuten später (um 8.50 Uhr), die High Schools 70 Minuten später (um 8.20 Uhr) und die Grundschulen 60 Minuten früher (um 8.00 Uhr). Nach Angaben des Leiters der Studie wurde der Schulbeginn der Grundschüler im Verlauf der Studie um eine Stunde vorgezogen, damit die älteren Schüler später abgeholt werden konnten. Die Schüler und ihre Eltern wurden einmal vor der Einführung der neuen Zeit, ein Jahr nach der Einführung der neuen Zeit und zwei Jahre nach der Einführung der neuen Zeit befragt. Im Rahmen der jährlichen Überprüfung wurden Schlaf-Wach- und Schlafqualitätsvariablen wie Schlafenszeit, Weckzeit, Schlafdauer, Schlafqualität und Tagesmüdigkeit gemessen. Bei den Grundschülern, deren Schulbeginn eine Stunde vorgezogen wurde, veränderte sich die Schlafdauer nicht und die Schlafqualität war vor und nach der Einführung der neuen Zeit ähnlich. Faszinierenderweise gingen die Schüler der Mittelstufe etwa 10 Minuten später ins Bett, schliefen aber 37 Minuten länger, was durchschnittlich 30 Minuten zusätzlichen Schlaf bedeutet. In ähnlicher Weise gingen die High-School-Schüler 15 Minuten später ins Bett und schliefen eine Stunde länger, was zu einer zusätzlichen Schlafdauer von 45 Minuten führte. Es gilt zu beachten, dass alle signifikanten Ergebnisse auch nach zwei Jahren noch Bestand hatten und dass die Vorteile eines späteren Schulbeginns für alle soziodemografischen Gruppen und Gruppen mit kostenlosem/ermäßigtem Mittagessen ähnlich waren. Dies ist die erste groß angelegte, langfristige und repräsentative Studie, in der gleichzeitig die Auswirkungen einer Änderung des Schulbeginns für Schüler der gesamten Sekundarstufe K-12 untersucht werden. Obwohl die Ergebnisse die Vorteile eines späteren Schulbeginns ganz eindeutig belegen, sind drei wichtige Einschränkungen der Studie zu beachten. Zunächst basierten alle Ergebnisse auf Selbstauskünften – objektive Schlafmessungen, die bekanntermaßen viel zuverlässiger sind, wurden nicht verwendet. Außerdem wurde nur eine Umfrage pro Jahr (im Frühjahr) durchgeführt. Es ist durchaus möglich, dass sich das Schlafverhalten im Laufe des Jahres stark verändert. Schließlich, und das ist der wichtigste Punkt, wurden in dieser Studie nur die Ergebnisse des Schlafs untersucht. Es bleibt unklar, ob der durch die Verschiebung des Schulbeginns gewonnene Schlaf eine quantifizierbare Auswirkung auf die schulischen Leistungen (Noten/GPA), die kognitiven Leistungen (Aufmerksamkeit/Lernen), das psychische Wohlbefinden (Stress) und die körperlichen/entwicklungsbezogenen Leistungen (Plastizität des Gehirns) hat. Studie 2: Dr. Dylan Jackson von der Johns Hopkins University untersuchte, ob Schlafdauer sowie Schlafenkonsistenz bei Vorschulkindern mit der Schulreife zusammenhängen. Schulreife, so die Autoren, wurde als ein Konzept verstanden, das Kinder bei ihrem Eintritt in die Schule als lernbereit definiert. Dies wird durch mehrere spezifische Bereiche untermauert: frühe Lernfähigkeiten, Selbstregulierung, sozial-emotionale Entwicklung sowie körperliche Gesundheit & motorische Entwicklung. Die Autoren haben Stichproben von über 15.000 Schülern im Vorschulalter (3 bis 5 Jahre) einbezogen. Die Betreuungspersonen haben zwischen 2016 und 2018 dreimal an der Nationalen Studie zur Gesundheit von Kindern teilgenommen. In der Studie wurden verschiedene Aspekte des Lebens der Kinder untersucht, von Gesundheit, Wohlbefinden und Entwicklung bis hin zu Schlafdauer und Schlafkonsistenz. Die Autoren fanden heraus, dass eine kurze Schlafdauer (<7 Stunden) im Vergleich zu einer Schlafdauer von 10 Stunden oder mehr eine schlechtere Schulreife in allen Bereichen bedingte. Es ist zu erwähnen, dass Kinder, die 8 Stunden oder mehr schliefen, kein erhöhtes Risiko für eine Beeinträchtigung der frühkindlichen Lernfähigkeiten, der Selbstregulierung, der sozial-emotionalen Entwicklung oder der körperlichen Gesundheit & motorischen Entwicklung aufwiesen. Diese Ergebnisse unterstützen die Richtlinien der American Academy of Pediatrics: Kinder im Vorschulalter sollten täglich zwischen 10 und 13 Stunden schlafen. Sollten neben der Schlafdauer auch die Schlafenszeiten unter der Woche und an den Wochenenden einheitlich sein? Die Autoren fanden heraus, dass Kinder mit uneinheitlichen Schlafenszeiten auch eine signifikante Verschlechterung der Schulreife aufwiesen – allerdings in etwas geringerem Ausmaß. Diese Studie ergab, dass Kinder, die zu wenig oder unregelmäßig schlafen, wahrscheinlicher eine verminderte Schulreife aufweisen, was sich negativ auf die frühen Lernfähigkeiten auswirken kann. Ungeachtet der Beiträge der Studie wurden keine objektiven Schlafmessungen vorgenommen, die ein vollständigeres Bild des Schlafs von Vorschulkindern vermitteln können – zumal die Berichte der Eltern möglicherweise nicht ganz korrekt sind. Außerdem gilt es zu beachten, dass es sich bei dieser Arbeit um eine Korrelationsstudie handelt; es bleibt unklar, ob schlechter Schlaf explizit zu einer Verringerung der Schulreife führt. In der Zukunft muss weiter untersucht werden, ob sich die negativen Folgen von mangelndem und unregelmäßigem Schlaf auch auf andere Altersgruppen übertragen lassen, nämlich auf Grund-, Mittel- und High School-Schüler. Mehr Schlaf bei Kindern für akademische Leistungsfähigkeit und Entwicklung Schlaf ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit, die neurologische Entwicklung und den schulischen Erfolg von Kindern. In den gängigen Richtlinien wird empfohlen, dass Jugendliche zwischen 8 und 10 Stunden Schlaf pro Nacht bekommen sollten. Vorschüler benötigen wahrscheinlich noch mehr – zwischen 10 und 13 Stunden Schlaf pro Nacht. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Verschiebung des Schulbeginns um bis zu einer Stunde die Schlafdauer von Jugendlichen erheblich verbessern kann. Umgekehrt ist es wahrscheinlich, dass eine zu kurze Schlafdauer (<7 Stunden) und uneinheitliche Schlafenszeiten mit einer verminderten Schulreife bei Vorschulkindern zusammenhängen. Diese Erkenntnisse machen deutlich, dass eine radikale Reform der Schulpolitik notwendig ist. Wir können dazu beitragen, die Entwicklungs- und Bildungsbedürfnisse von Heranwachsenden weltweit zu unterstützen, indem wir sicherstellen, dass Kinder die empfohlene Menge an hochwertigem Schlaf erhalten. Artikel 1: Jackson, D. B., Testa, A., & Semenza, D. C. (2021). Sleep Duration, Bedtime Consistency, and School Readiness: Findings from the 2016 to 2018 National Survey of Children's Health. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics. https://journals.lww.com/10.1097/DBP.0000000000000937   Artikel 2: Meltzer, L. J., Wahlstrom, K. L., Plog, A. E., & Strand, M. J. (2021). Changing school start times: impact on sleep in primary and secondary school students. Sleep. https://doi.org/10.1093/sleep/zsab048