Die neusten Erkenntnisse aus der Schlafforschung: Raubt dir dein Smartphone den Schlaf?

By: SleepScore Labs  |  Dezember 6th, 2021

Plötzlicher Lärm, unbequeme Bettwäsche, ein warmes Schlafzimmer – all das sind Beispiele für Faktoren, die als Schlafstörer bekannt sind. Mittlerweile ist es üblich, mobile Geräte nicht nur tagsüber, sondern auch bis in die Abendstunden hinein zu nutzen. Viele Menschen nehmen ihr Gerät mit ins Schlafzimmer und verwenden es als Wecker. Das hört sich zwar harmlos an, aber die Auswirkungen sind weitreichender, als uns vielleicht bewusst ist. Diese Auswirkungen sind bei Kindern und Jugendlichen ausführlich untersucht worden, bei Erwachsenen jedoch weit weniger. In der jüngsten Veröffentlichung von Dr. Sarah Appleton und ihren Kollegen wurde eine webbasierte Umfrage unter Personen im Alter zwischen 18 und 91 Jahren durchgeführt. Über die Ergebnisse von 1984 Teilnehmern wurde in der Augustausgabe 2020 der Zeitschrift SLEEP berichtet.

Die Umfrage

Die Umfrage umfasste neben den Standardfragen zu Alter, Geschlecht usw. Fragen zur Schlafqualität und zu Schlafproblemen, aber auch Fragen zu den Auswirkungen des Schlafs auf die Arbeitsleistung, Fehlzeiten und das Fahrverhalten. Die Umfrage enthielt die folgende Frage: „Wie oft sind Sie in den letzten sieben Tagen aufgewacht oder wurden geweckt, weil Sie Textnachrichten, E-Mails oder andere elektronische Mitteilungen gesendet oder empfangen haben?“ Mit dieser Frage sollten mögliche Störungen durch mobile Geräte erfasst werden. Nachdem die Forscher die Daten erhalten hatten, führten sie sogenannte multivariate Regressionsanalysen durch, die Aufschluss darüber geben konnten, ob Veränderungen des Schlafs oder anderer Messungen, die die Teilnehmer in der Umfrage vorgenommen hatten, mit anderen Veränderungen zusammenhingen. Gleichzeitig stellten sie sicher, dass noch immer auszuschließen war, dass der Zusammenhang durch eine andere Frage in den Analysen erklärt werden konnte (klingt ziemlich kompliziert, und das ist es auch!).

Die Ergebnisse

Auf einer allgemeineren Ebene stellte sich heraus, dass nicht nur Kinder und Jugendliche nachts ihr Smartphone benutzen. 31,4 % der Erwachsenen gaben an, nachts aufzuwachen oder geweckt zu werden, um sich mit ihrem Smartphone zu beschäftigen (4,9 % gaben an, dies fast jede Nacht zu tun). Die Technologienutzung wurde von Frauen, in jüngeren Altersgruppen, in Großstädten, bei Personen mit höherem Bildungsstand und bei Berufstätigen häufiger angegeben. Die Nutzung von mobilen Geräten an mindestens 2 bis 3 Nächten pro Woche wurde mit schlechteren Tagen (Müdigkeit, schlechte Laune usw.), einem erhöhten Risiko für schläfriges Fahren und damit verbundene Verkehrsunfälle sowie mit Arbeitsversäumnissen oder Fehlern bei der Arbeit in Verbindung gebracht.  Außerdem gaben diese Menschen häufiger an, dass sie unter Schlafproblemen litten, einschließlich Problemen beim Einschlafen, beim Durchschlafen und beim Aufwachen.

Best Practices

Diese Studie macht deutlich, dass du dein Telefon auf „Nicht stören“ stellen solltest, sobald das Licht aus ist, um eine gesündere und erholsamere Nacht zu gewährleisten. Die nächtliche Technologienutzung führt nicht nur dazu, dass dein Schlaf fragmentiert wird und sich dein Zeitfenster für den Schlaf verkürzt, sondern wirkt sich auch negativ auf den nächsten Tag aus. Es ist nicht verboten, ein mobiles Gerät mit ins Schlafzimmer zu nehmen, aber die vernünftige Nutzung dieses Geräts erfordert Willenskraft. Viele Geräte verfügen heute über Funktionen, die sie schlaffreundlicher machen, damit eine intelligentere Nutzung möglich ist. In der neuen Version von Apple iOS kannst du in der Health-App ein Zeitfenster für die Schlafenszeit festlegen, in dem alle Benachrichtigungen stummgeschaltet werden (du kannst jedoch Kontakte für den Notfall angeben, deren Benachrichtigungen trotzdem einen Ton erzeugen). Dadurch kommst du nicht so leicht in Versuchung, das Smartphone in diesem Zeitfenster in die Hand zu nehmen. Und durch diese Studie wissen wir, dass das deine größte Chance auf einen besseren Tag ist.

 

Waking to use technology at night, and associations with driving and work outcomes: a screenshot of Australian adults. Sarah L Appleton,  Amy C Reynolds,  Tiffany K Gill,  Yohannes A Melaku,  Robert Adams. Sleep, Band 43, Ausgabe 8, August 2020, https://doi.org/10.1093/sleep/zsaa015